Sweet Sweet Gwendoline (Teil 2 von 2)

Ich nehme auch heute noch das Wissen von Maja gerne in Anspruch, so alle 3-4 Monate frage ich, wann Sie Zeit hat, denn es gibt genug, was ich noch lernen kann von Ihr. Und manchmal lasse ich mich von Ihr für besondere Dates vorher stylen. Als Visagistin und gelernte Friseurin ist das für Sie in der Tat ein leichtes und es macht Ihr auch Spaß. Sie meinte kurz nach unserem ersten Treffen nämlich zu mir, das ich Ihren Visagisten-Ehrgeiz geweckt habe. Klar, denn durch die männlichen Konturen war ich im Gesicht noch als solcher zu erkennen und für Sie damit besagte Herausforderung. Und die hat Sie in der Vergangenheit echt gut gemeistert. Meine männlichen Konturen sind mittlerweile nicht mehr wirklich da, mein Körper hat mittlerweile einiges an und mit mir verändert.

Zugegeben, die wenigsten werden in Ihrem Bekanntenkreis eine Person haben, die Visagistin oder gelernte Friseurin ist. Es gibt aber immer Visagisten, die man für Lernstunden buchen kann. Es sollten aber welche sein, die das gelernt haben. Denn einen Mann zur Frau zu schminken ist schon was ganz anderes. Es gibt auch welche, die sich darauf spezialisiert haben. Sowas ist natürlich perfekt, wenn man sonst niemanden hat. Eine Google-Suche hilft weiter und im Zweifel muss man dafür auch mal eine etwas längere Fahrt in Kauf nehmen.

Ich für mich lernte auf diesem Weg also, mich zu schminken und, für mich sehr wichtig, meinen damals noch vorhandenen Bartschatten zu kaschieren. Auch lernte ich, mein Gesicht durch Konturen weiblicher wirken zu lassen. Fehlte noch das vernünftige Haarstyling, aber meine Haare waren zu diesem Zeitpunkt einfach noch zu kurz und mussten noch ein wenig länger wachsen.

Natürlich reichte mir Maja alleine nicht. Wie das immer so ist, möchte man sich ja möglichst schnell „weiterentwickeln“ und wenn man nur eine Person im Umfeld hat, die einem helfen kann, diese nicht zu sehr belästigen.

Und so suchte ich auf Facebook nach Gruppen zum Thema Styling und Schminken. Es kostete mich auch einiges an Überwindung, mich das erste Mal nach dem Schminken zu fotografieren. In der Realität kam mir keine Abneigung aufgrund meines Wandels entgegen. Aber wie ist es im Internet? Schließlich ist es einfacher, jemanden, den man nicht kennt, über die Anonymität des Internets zu kritisieren oder sogar fertig zu machen als von Angesicht zu Angesicht und wenn man sich möglicherweise vorher sogar schon jahrelang kannte.

Und so war ich gespannt „wie ein Flitzebogen“ nach dem Absetzen meines ersten Postings mit Fotos von mir in einer Facebook-Schminkgruppe auf die Reaktionen. Auch wenn die ersten Kommentare auf Postings eigentlich immer sehr schnell kommen – es kam mir vor wie eine halbe Ewigkeit. Und da kamen Sie endlich, die Kommentare. Immer mehr. Und Sie waren konstruktiv und positiv. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Natürlich tauchte irgendwann recht schnell die Frage auf, ob ich früher ein Mann war und so. Der Klassiker halt. Das hatte aber letztlich keinen Einfluss auf die Unterstützung der Gruppe mir gegenüber.

Relativ schnell habe ich aber festgestellt, dass die Schminkgruppe mir zwar die ein oder anderen  nützlichen Tipps und Rückmeldungen gibt, aber es ist überhaupt nicht vergleichbar mit Maja. Es lässt sich halt auch auf Fotos teilweise schwierig wiedergeben. Vieles sieht auf Fotos nicht so aus wie in der Realität und das macht es einfach schwierig. Ich habe daher von den Schminkgruppen recht schnell wieder Abstand genommen und habe Majas Unterstützung damit noch viel mehr schätzen gelernt. Lieber langsam, dafür aber gut als schnell und nicht so perfekt.

In eine andere Gruppe bei Facebook bin ich irgendwie und irgendwann per Zufall reingeraten, da geht es mehr um das Klamottentechnische Styling für Leute, die abgenommen haben. Nun gut, abgenommen hatte ich ja auch ordentlich und so kam es dann, dass ich auch hier irgendwann mein erstes Posting absetzte – diesmal in Sachen Klamotten und zwar am 04. Juli 2018 zum Thema Netzstrumpfhosen. Ich wollte wissen, zu welchen Klamotten man diese eigentlich kombinieren kann, ohne dass es nuttig oder so aussieht. Denn ich finde Netzstrümpfe eigentlich sehr cool und mag die Teile total. Aber ich hatte null Ahnung, wie ich die am besten kombiniere, damit es halt noch gut und nicht billig aussieht.

Auch auf dieses Posting habe ich nur positive Reaktionen erfahren und auch viele Tipps und Anregungen und so. Mittlerweile, über ein Jahr später also, bin ich auch sehr selbstbewusst in Netzstrumpfhosen und Röcke oder Jeans unterwegs. Natürlich muss es zusammen passen, aber dann sieht es auch gut aus.

Ich weiß auch nicht so ganz, was in der folgenden Zeit in der Gruppe mit mir passiert ist. Aber mittlerweile habe ich gefühlt einen kleinen Fanclub dort und sehr viel Unterstützung in meinen Fragen zu Klamotten. Zu Beginn passierte es deutlich häufiger, das ich eher ein „um Gottes Willen“ als ein „schaut gut aus“ bekommen habe, aber die Kritik ist in der Regel konstruktiv und das hilft weiter und ist natürlich sehr wichtig.

Auch in dieser Gruppe blieb meine männliche Vergangenheit nicht „unentdeckt“, stellte aber auch hier kein Problem dar. Im Gegenteil, die Kritiken wurden konstruktiver, weil ich durch meine männliche Statur einfach z.B. ein breiteres Kreuz habe und auf diese Gegebenheiten wurde daraufhin auch von vielen eingegangen.

Jona (Name von mir geändert), eine der Moderatorinnen in der Gruppe, schrieb mich auch per PN an und meinte, dass so „Zwangsoutings“ natürlich „scheiße“ sind, aber sich leider nie vermeiden lassen. Ich schrieb Ihr, dass ich damit aber ganz gut klar komme und ab diesem Moment schrieben Jona und ich auch ab und an mal per PN.

So Anfang Februar 2019 gab es einen solche Ähnlichen „Vorfall“ erneut in der Stylinggruppe: Bei einem meiner Postings schrieb ein weibliches Mitglied völlig aus dem Zusammenhang gerissen, das ich ja schon zu meiner männlichen Vergangenheit stehen solle.

Bevor ich überhaupt bis 3 zählen konnte, begann auch schon der Shitstorm gegen die Verfasserin des Kommentares. Der Kommentar machte bei meinem Posting in dem Zusammenhang auch überhaupt gar keinen Sinn und ich habe in der Gruppe auch nie einen Hehl über meine Vergangenheit gemacht. Zugegeben, der Shitstorm freute mich doch sehr. Zeigte es doch, dass die Mehrheit in der Gruppe mich mochte und mit mir, mit meiner Art und mit meiner Vergangenheit absolut kein Problem hat.

Irgendwie kamen Jona und ich im Januar 2019 dann auf die Idee, uns mal zum gemeinsamen Shoppen zum Verabreden und nach ein wenig Termin-Abstimmungs-Diskrepanzen hatten wir das vierte Wochenende im März ausgemacht. Jona wollte zu mir nach Bornheim kommen und für ein Wochenende bleiben. Zwischendurch tauschten wir auch immer mal wieder Nachrichten aus und irgendwann wollte ich Ihr ein Video senden, was ich von mir gemacht habe. Bei manchen Klamotten kommen diese auf Fotos halt nicht so perfekt zur Geltung. Da das Video für den Facebook Messenger zu groß war, tauschten wir kurz unsere Handynummern aus, um es per WhatsApp zu senden.

Seitdem nahm es „irgendwie seinen Lauf“ und ehe ich mich versah, war ich in der einen oder anderen Mädelsgruppe, wo auch Kira (Name geändert) drin war, die Gründerin und Admina der besagten Facebook-Gruppe. Es folgte weiterhin reger Austausch über die Facebook-Gruppe, über die WhatsApp-Gruppen und im direkten Chat. Ich habe sowohl Jona als auch Kira echt lieb gewonnen. Beide sind echt dufte, haben eine sehr offene Art und wir können echt über alles reden. Und wenn ich hier „alles“ schreibe, dann meine ich auch alles und freue mich auch auf das persönliche Kennenlernen. Leider hat Jona aus mir unerklärlichen Gründen mittlerweile den Kontakt von heute auf morgen zu mir abgebrochen und reagiert auf keinerlei Nachrichten von mir mehr, was ich sehr schade finde. Trotzdem bin ich Ihr dankbar für die Unterstützung, die ich bis hierhin von Ihr erfahren habe. Aber meine Tür steht für Sie weiterhin offen.

Auch wenn der Weg ein wenig holprig war und nicht immer direkt geradeaus war, so muss ich sagen, hat mir das alles geholfen, meinen eigenen Style zu finden. Und natürlich entwickelt man diesen auch irgendwie kontinuierlich weiter. In meinem Falle habe ich eine gewisse Liebe zum Gothic-Style entwickelt, da ich auch diese Klamotten toll finde und meiner Meinung nach, an mir auch aussehen.

Leider beißt sich diese Vorliebe mit etwas anderem – ich versuche möglichst, keine schwarzen Klamotten zu kaufen, sondern eher farbiges. Und Gothic ist halt eher schwarz. Insofern bleibt es also nicht aus, das ich natürlich auch das ein oder andere in Schwarz kaufe – wenn es aber möglich ist, weiche ich auf andere Farben aus wie beispielsweise auf Rot-Töne, die mir teilweise unwahrscheinlich gut stehen.

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