Es darf geduscht werden (11/2020)

Am vierten Tag nach der Operation wollte ich dann endlich mich großflächig mit Wasser an meinen Körper wagen. Entsprechend habe ich am Samstag dann soweit alles vorbereitet. Ein kleines Plastikhöckerchen in die Badewanne zum draufsetzen, das Duschzeugs griffbereit gestellt und dann ging es langsam los.

Erstmal musste ich mich ausziehen (was jetzt für das Duschen auch nicht als ungewöhnlich zu bezeichnen ist). Als ich dann am Kompressionsmieder angelangt war und dieses zu etwas mehr als ein Drittel geöffnet hatte, machte mein Kreislauf aber sowas von Halleluja mit mir. Ich setze mich direkt auf das Sideboard im Badezimmer, wo ich wohlweislich mir für einen solchen Fall schon etwas Platz gemacht hatte und bin kurz darauf, als es wieder etwas besser ging, auf die nächste Gelegenheit zum hinlegen (nämlich ins Gästezimmer). Ich war schachmatt. Fix und Foxi. Ich habe fast fünf Stunden gebraucht, um wieder so fit zu sein wie vor meinem Versuch zu duschen.

Das Kompressionsmieder gibt natürlich einen starken Druck auch auf die Durchblutung und die naheliegende Vermutung ist, dass mein Kreislauf erstmal ein wenig dadurch zusammengesackt ist. Ich war jedenfalls für heute bedient, Das Experiment Duschen habe ich dann erstmal beendet, ohne geduscht zu haben.

Am nächsten Tag, es war überraschenderweise nun Sonntag (der halt auf einen Samstag folgt), kam am frühen Abend Annika zu Besuch, Ich hatte sie gefragt, ob sie etwas Zeit hat, um mir beim Haare waschen zu helfen. Mit ihrer Hilfe kam ich also nun in den Genuss frisch gewaschener Haare. doch wenn schon jemand da ist, dann wollte ich auch das Duschen erneut probieren. Annika setzte sich in das Gästezimmer, ich ging in das Badezimmer. Sie wäre also im Notfall sofort bei mir, das war mir nach der Erfahrung des Vortages irgendwie wichtig.

Ich knüpfte nun mein Kompressionsmieder langsam auf, Stückchen für Stückchen, Knöpfchen für Knöpfchen. Als ich etwa bei der Hälfte angekommen war, stellte ich mit Freude fest, dass mein Kreislauf nach wie vor rund läuft. Ist ja auch ein Kreislauf. Entsprechend entspannt war ich dann beim öffnen des restlichen Mieders und auch hierbei blieb mein Kreislauf rund. Ich konnte endlich neben meinen Haaren auch den Restlichen Körper waschen, der es so langsam auch nötig hatte.

Bei dieser Gelegenheit habe ich auch erstmalig meine Hüfte und meinen Bauch ohne Mieder gesehen. Und trotz der ganzen Schwellungen konnte man bereits jetzt das Ergebnis sehr deutlich sehen. Ich hatte eine Taille (die war vorher quasi so nicht da) und der Bauch war bereits deutlich flacher. Ich bin mal sehr gespannt, wie das Ergebnis im Januar 2021 aussieht, also etwa 3 Monate nach der Operation. Denn das müssten die Schwellungen soweit fast alle weg sein. Ansonsten sehe ich am Bauch und den Seiten noch ziemlich wild aus mit jede Menge Pflastern (von den Einstichstellen, logisch) und blaue Flecken ohne Ende. Ganze Seen und Meere von Blauen Flecken waren da zu sehen. Der Anblick war schon ganz schön heftig.

Nach dem Duschen hat mir Annika beim Anziehen des Mieders etwas geholfen, denn das war ein bisschen einfacher. Dabei stellte Sie dann fest, dass das Mieder ja schon ziemlich eng anliegen würde. Ja, das tut es wohl. Soll ja auch so sein. Nicht ohne Grund esse ich auch deutlich weniger wie früher, wenn alles so zusammengepresst wird einschließlich des Magens.

Am Folgetag (Tag 7 nach der Operation) ging es zur Nachkontrolle wieder in die Plastische Chirurgie der Universitätsklinik zu Bonn. Heute geht es speziell um meine Tränensäcke. Oder besser gesagt um das, was davon noch übrig ist. Der Heilungsprozess war bei mir sehr gut, entsprechend war es also kein Problem, die Pflaster zu entfernen und die Fäden abzuschneiden. Leider darf ich mich aber auch die nächsten zwei Wochen weiterhin nicht mit dem Oberkörper vornüber beugen. Das ist schon so eine kleine Einschränkung im Alltag, aber es hält sich in Grenzen.

Und mit dem Ergebnis, was ich sehe, bin ich mehr als nur zufrieden. Im Moment bin ich sogar sehr happy darüber, dass ich die Tränensäcke habe entfernen lassen. Bei meiner Nase ist das Ergebnis leider immer noch nicht wirklich zu sehen, Es sieht immer noch nach Schürfwunde auf der Nase aus. Vielleicht hatte ich ja auch eine Begegnung mit Regina Halmich. Ein bisschen sah ich im Gesicht schon danach aus mit den blauen Flecken unter den Augen und der Schürfwunde bzw. Kruste auf der Nase.

Aber nun gut, auch diese komische Kruste wird irgendwann in den nächsten Tagen weg sein und dann kann ich auch diese Arbeit der Chirurgen ausführlich begutachten. Bis dahin packe ich jeden Tag zwei bis dreimal, wie mir aufgetragen wurde, eine Wund- und Heilsalbe auf meine Nase.

Bei diesem Text handelt es sich um einen Auszug aus meinem Buch „Das war nicht geplant!“, welches im Herbst 2021 erscheint.

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